Wut ist gut!

Als Trainer und Coach bringe ich Menschen bei, ein effektives Emotionsmanagement zu betreiben. Das bedeutet, dass sie ihren Gefühlen und Emotionen nicht mehr ausgeliefert sind. Sie lernen, Empfindungen zu verändern und zielgerichtet zu nutzen.

Das heisst aber nicht, dass Menschen immer gute Gefühle haben sollten – oder dass sie das dauernd könnten. Genau von diesem falschen Versprechen lebt die „Gute-Gefühle“-Industrie. Beispiele dafür finden sich überall, wo Menschen ein Heilsversprechen gemacht wird. Wer sich zum Beispiel schon mit Spiritualität, Mentaltraining, Yoga oder Religion befasst hat, kennt das Muster: Gewisse Emotionen werden als negativ bewertet und andere – wie zum Beispiel Liebe – als positiv dargestellt und mit entsprechenden Attributen versehen: Wer „reine Herzensliebe“ empfindet, sei etwa „besonders spirituell“. Quatsch!

Denn dabei wird absichtlich verschwiegen, dass Gefühle vor allem eins werden wollen: gefühlt.

Jedes Gefühl hat einen Grund, eine Ursache, und erfüllt eine Funktion. Gewisse Gefühle sind in spezifischen Situationen kaum nützlich, dafür in anderen besonders hilfreich. Wer Gefühle unterdrückt, wird feststellen, dass diese dann doch auf irgendwo hervorkommen – meist auf eine nicht sehr angenehme Art.

Wut Emotionsmanagement
Wut: Eine intensive und nützliche Emotion, um Dich durchzusetzen.

Eines der oftmals besonders negativ bewerteten Gefühle ist die Wut. Dabei kann Wut eine wunderbare Ressource sein. Sie entsteht meist aufgrund von äusseren Umständen. Wenn wir unfair behandelt werden oder uns etwas davon abhält, wichtige Ziele zu erreichen, macht uns das wütend. Sie wird also verursacht, weil andere Menschen etwas tun, etwas nicht tun oder etwas tun könnten.

Nun – kein Mensch ist eine Insel und wir leben in einer sozial hoch komplexen und oft unvorhersehbaren Welt. Positivität alleine reicht nicht, um uns durch herausfordernde soziale Interaktionen und Beziehungen zu navigieren.

Wut ist ein Werkzeug, um angespannte soziale Situationen zu erkennen und angemessen darauf zu antworten.

Wut bereitet Dich auf Handlung vor. Sie führt Dich in einen Erregungszustand, der Dir dabei hilft, mit Bedrohungen angemessen umzugehen. Wütende Menschen trauen sich mehr und sie sind viel stärker bereit, für ihre Interessen einzustehen.

Aber auch für Gruppen und Gemeinschaften ist Wut wichtig. Sie ist die Voraussetzung, dass kollektives Handeln gegen unangemessene und unfaire Bedrohungen möglich wird. Wütende Menschen engagieren sich und leiten damit Veränderungen ein.

Wie nutzt Du Deine Wut?

Zweifelsfrei ist Wut eine starke und ansteckende Emotion. Sie konstruktiv zu nutzen, bedarf einiger Regeln. Hier sind die zwei wichtigsten:

  • Teile Deine Wut mit: Lass Deine Kommunikationspartner wissen, dass Du gerade eine intensive Emotion erlebst und dadurch Deine Kommunikation erschwert wird. Zeige auch äussere Anzeichen von Wut, so dass erkennbar wird, dass Du es ernst meinst. Damit wirst Du Dir selbst gerecht und gibst Deinem Gegenüber die Möglichkeit, adäquat zu reagieren.
  • Nimm Tempo aus der Situation: Lass die anderen wissen, dass Du in dieser Ausgangslage lieber eine gute Entscheidung triffst anstatt eine schnelle. Finde heraus, ob Deine Wut zunimmt, abnimmt oder stabil bleibt. Zu viel Wut bringt Dich in einen ressourcenarmen Zustand und schränkt Deine Handlungsmöglichkeiten ein. Zu wenig Wut lässt Dich Deine eigenen Interessen vergessen und zu schnell nachgeben. Lass Dich nicht von der Wut beherrschen, sondern nutze sie als Werkzeug.

Du hast das Recht, wütend zu sein.

Du hast das Recht, aggressiv zu sein.

Nutze Deine „negativen“ Emotionen ganz wertfrei. Sie sind eine Information, dass offenbar in dieser Situation etwas für Dich nicht stimmt. Verändere die Situation, bis es für Dich passt. Das kann ein äusserer Umstand sein oder auch Deine Betrachtungsweise. Denn oft ist es einfacher und sinnvoller, Deine eigene Einstellung und Erwartungshaltung zu ändern, als Veränderungen von Deiner Umwelt zu verlangen.

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